Pädosexualität - Schuld oder Schicksal?

 

 

"Niemand ist schuld an seiner sexuellen Neigung,

aber jeder ist verantwortlich für sein Verhalten." 

 

 

 

 


(Präventionsnetzwerk Kein Täter werden, 
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=43027)

 

Pädophile, d.h. pädosexuelle Neigungen machen sich bereits in der Pubertät bemerkbar: Die Betroffenen berichten später darüber, sich mit ihrer Verwirrung und ihrer Angst, nicht „normal“ zu sein, allein gefühlt zu haben. Die Entdeckung der eigenen sexuellen Erregbarkeit im Zusammenhang mit Kindern - als begehrten, jedoch keinesfalls adäquaten PartnerInnen - sei zu schambesetzt erlebt worden, um sie einer Bezugsperson anzuvertrauen. Unterschiedliche Umgangsformen werden beschrieben: Manche der Betroffenen gehen eine normative heterosexuelle oder homosexuelle Beziehung zu altersentsprechenden PartnerInnen ein, indem sie ihre Phantasien vor sich selbst verleugnen und in der Beziehung verschweigen. Auch gegenüber der vertrautesten Person scheint es nicht möglich, derartig abweichende und gesellschaftlich verurteilte Neigungen zu offenbaren. Anderen gelingt es nicht, in Beziehungsformen zu treten,  die ihren wahren Sehnsüchten und Bedürfnissen nicht entsprechen: Sie leben isoliert, in ihren Kontakten auf die Stammfamilie beschränkt, häufig „mit ihrem Beruf verheiratet“ und/oder  mit einem leidenschaftlichen Hobby beschäftigt.

In vielen Fällen haben Betroffene Angst, die Kontrolle über ihre Phantasien und Wünsche zu verlieren – vor allem dann, wenn sich die Orientierung ausschließlich auf Kinder als Lebens-, Liebes- und SexualpartnerInnen bezieht.  

Nahestehende Bezugspersonen werden nicht ins Vertrauen gezogen - Scham über die empfundene Neigung und Angst vor Liebesverlust und Trennung überwiegen zumeist. Als „Umgangsstrategien“ mit einer kaum bewältigbaren Lebenssituation finden sich unter anderem Alkoholmissbrauch, substanzunabhängige Süchte wie Einkaufs-, Pornografie-, Spielsucht, depressive Verstimmung u.a.

 

Auch Männer, die prinzipiell keine pädosexuelle Orientierung aufweisen, können sich zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens zum eigenen oder einem anderen Kind auf eine Art hingezogen fühlen, die neu, beunruhigend oder bereits beängstigend erscheint. Häufig geschieht dies zu einem Zeitpunkt, wo sie sich - möglicherweise rundum - jedenfalls in ihrer Partnerschaft überfordert und unfähig fühlen, den oft phantasierten Ansprüchen der Partnerin gerecht zu werden. In der Beziehung zum Kind erleben sie sich als ein mächtiger, starker Partner, der dem ungleich ausgestatteten Liebesobjekt Ressourcen zugänglich machen und Schutz vermitteln kann. In diesem Rahmen gelingt es, sich endlich geschätzt und bewundert zu fühlen. Trotz einer generellen Überzeugung, ihren fragilen PartnerInnen nicht zu schaden, bleiben Schuld- und Schamgefühle sowie die Angst vor Strafe oft nicht aus. 

 

Manchmal können sich Betroffene - aufgrund von sekundären Symptome oder aus Angst vor Kontrollverlust aus aktuellem Anlass (Gefühle von Verliebtheit und/oder verstärktem sexuellen Begehren gegenüber Kindern) - dazu überwinden, sich Unterstützung zu suchen, oft nach einer längeren Phase heftiger Gefühle von Wertlosigkeit, Vergeblichkeit, Depressivität und Angst. In jedem Fall erscheint es wichtig, PsychologInnen/TherapeutInnen zu finden, die über Erfahrung mit Klienten mit pädosexueller Orientierung verfügen und ihnen mit einer offenen und respektvollen Haltung begegnen.