Selbsterfahrung und Supervision für klinische u/o Gesundheits-psychologInnen

 

Gemäß PsychologInnengesetz von 2013 (§ 24 Abs 3 PG) sind AusbildungskandidatInnen erstmals dazu verpflichtet, Selbsterfahrung im Ausmaß von 76 Einheiten, davon mind. 40 im Einzelsetting zu absolvieren.
Neu erscheint lediglich die Verpflichtung zum Nachweis. De facto haben, aus meiner Erfahrung, BerufsanwärterInnen immer schon ein großes Interesse an der eigenen "psychischen Landschaft", den Ressourcen und Schwierigkeiten, den Übertragung- und Wiederholungsbereitschaften gezeigt, was angesichts des bestehenden Berufswunsches in jedem Fall angemessen erscheint.

Mitunter kommt es bereits aufgrund von Ablösungs- oder Einstiegsschwierigkeiten zur Suche nach Selbsterfahrung: Studierende finden sich in einer Beratungsstelle oder einer Praxis klinischer PsychologInnen oder PsychotherapeutInnen ein, um sich mit akuten Herausforderungen zu beschäftigen und sich vorhandene Ressourcen besser verfügbar zu machen. Im Verlauf des Prozesses intensiviert sich das Interesse am (Nach)Denken: Wohin führen mich die Entscheidungen, die ich jetzt fasse? Bin ich den bevorstehenden Herausforderungen gewachsen und, sind meine Erwartungen realistisch? (..)

 

Im Rahmen des Praktikums mag sich eine weitere Indikation zur Selbsterfahrung stellen: Menschen mit schweren Persönlichkeitsstörungen u./o. Suchterkrankung neigen dazu, eigene unerträgliche Gefühle in ihren BehandlerInnen zu induzieren. Demgemäß erscheint es wesentlich, die eigenen Gefühle von den zugeschriebenen, die oft sehr heftig sind und zu Verwirrung führen zu differenzieren - eine schwierige Aufgabe, die mittels Selbsterfahrung und Supervision immer besser bewältigbar wird. 

  

Die Arbeit mit AusbildungskandidatInnen erfolgt auf Augenhöhe, das Interesse  zukünftiger KollegInnen an der Entwicklung der eigenen Person zeichnet sie aus und soll Raum erhalten.